Schnee in Granada!!!
Buenos Días,

unglaublich aber wahr: Es schneit in Granada. Die Temperaturen dazu hatte es schon länger, jetzt kam auch noch der passende Niederschlag dazu. Richtig liegen bleibt er aber nicht, da der Boden nicht gefroren ist und tagsüber die Temperaturen über 10° klettern.
Die letzten Wochen musste ich viel für die Uni lernen, da im Moment Klausurenzeit ist. Es ist also nicht viel passiert, aber es fehlen noch ein paar Erlebnisse vom letzten Jahr, die ich jetzt nachholen werde:
Wegen Nikolaus hatten wir mal wieder langes Wochenende, sodass Yvonne und ich für 5 Tage

nach Barcelona gereist sind. Die 900km haben wir im Flugzeug zurückgelegt. Der Flughafen Granada ist so klein, dass er nur 3 Gates hat und dass es für jedes ankommende Flugzeug einen Shuttlebus nach Granada gibt. Unsere Flugtickets wurden sogar noch mit Hand geschrieben.
Gewohnt haben wir die Tage in einem Loft. Das sind Wohnungen, in denen man mit anderen Leuten wie in einer WG wohnt. Unser Loft bestand aus 4 Doppelzimmern, Wohnzimmer, Küche, Bad. Und wer häts gedacht, in den anderen Zimmer haben auch Erasmus-Studenten gewohnt. Mitten in der

Stadt haben wir sogar zufällig einen guten Freund aus Granada getroffen.
Den ersten Tag sind wir bei uns um die Ecke durch den Innenstadtkern gelaufen mit schönen, engen Gassen, einer Kathedrale natürlich, dem Rathaus und vielen Einkaufsläden. Fasziniert waren wir von einer riesen Menschenschlange vor einem bestimmten Restaurant, dem "Les quinze nits". Die Leute sind wirklich mittags um 2 Uhr über eine Stunde angestanden, nur um einen Sitzplatz im Restaurant zu bekommen. Dieses Restaurant haben wir Tage später abends ausprobiert (ohne Anstehen) und es war sehr gut. Feines, leckeres, katalanisches Essen zu studentenfreundlichen Preisen (das soll jetzt aber keine Werbung sein, ich bekomm dafür keine Provision).
Den folgenden Tag haben wir uns um die eigentlichen Sehenswürdigkeiten gekümmert. Den Tag

gestartet haben wir im "Parc Güell". Eine schöne Anlage mit tollen Häuschen, Blick auf Barcelona und von Gaudí entworfen. Gaudí war Architekt und prägt durch seine Kunstwerke die Stadt Barcelona. Die Architektur in Barcelona hat mich total begeistert und fasziniert mich mehr als Bilder, die in irgendwelchen Museen hängen. Als nächstes wurde das Wahrzeichen Barcelonas besichtigt (es ist nicht das Fußballstadium Camp Nou mit über 100000 Sitzplätzen!): Die "Sagrada Familia". Entworfen von wem wohl... Gaudí. Bis zu seinem Tod 1926 war sie noch nicht fertig gebaut und ist sie bis heute noch nicht. Soll aber zu seinem 100. Todestag fertig werden. Es ist eine Kathedrale in Form von einem Tempel mit hohen

Türmen und vielen Verzierungen. Danach ging es ins "Casa Milá", ein Haus mit runden Wänden und einem sehr schönen Dach und ins "Casa Batlló" mit schönen Balkons (alles von Gaudí).
Nach soviel Kultur wurde es am nächsten Tag gemütlicher mit einem langen Spaziergang durch Parks, am Strand und das Olympische Dorf von 1992. Am Abend sind wir durch die olympischen Stätte gelaufen, haben das Schloss Montjuice im Scheinwerferlicht bewundert und sind am "Poble Español" vorbeigekommen. Tags drauf haben wir noch weitere schöne Häuser und andere Sachen besichtigt, die uns der Reiseführer empfohlen hat. Zum Einkaufen blieb da nicht allzuviel übrig,

zumal wir noch eine Ausstellung von Dalí besucht haben. Zum Abschluss ging es noch ins Picasso-Museum, da er in Barcelona seine größte Wirkungsstätte hatte. Leider waren dort mehr von seinen ersten Kunstwerken ausgestellt und kaum seine abstrakten Bilder, für die er so berühmt wurde.
Die Nächte haben wir Barcelona auch unsicher gemacht. Am ersten Abend waren wir einer Disko, die in einem alten Theater stattfindet mit Bühne, Logen, Kronleuchter. War sehr schön, außer dass sie schon um 5 Uhr zu gemacht hat (in Granada machen die Diskos erst um 7-8 Uhr zu). Den Freitag Abend haben wir in einer Cocktailbar im Retro-70er-Style

verbracht. Die folgenden Abende sind wir so durch die Stadt gelaufen oder haben auf abenteuerlichen Wegen den Aufstieg zu einer mittelalterlichen Burg gemacht. Leider hatten wir keinen Stadtführer, der uns zu den angesagtesten Partys geführt hat, sodass die anderen Nächte ohne große Sause verbracht wurden.
Fazit von Barcelona: Eine tolle Stadt und 5 Tage waren dafür fast zu wenig. Im Frühling und Sommer bestimmt noch viel schöner, wenn der Strand offen hat und man abends viel länger

draußen bleiben kann. Im Winter (während unseres Besuches) sind aber viele Sachen gar nicht geöffnet oder werden Restauriert. So kam es, dass alle 5 Seilbahnen, die wir benutzen wollten, geschlossen waren und die bekanntesten Diskos nicht geöffnet hatten. Was auch sehr nervig war, wenn man abends durch die Stadt läuft sind die ganzen Straßen voll mit Prostituierten, die sich einem unangenehm aufzwängen.
Sodele, das soll soweit mal reichen.
Chao
Jens
Feliz Año Nuevo (Frohes neues Jahr)
Allen ein frohes neues Jahr und ich hoffe, dass ihr alle gut reingerutscht seid.
Bevor ich mit dieser Mail anfange, muss ich noch eine andere Sache loswerden. Seit meiner Ankunft in Granada war ich immer viel mit anderen deutschen Erasmusstudenten von Granada unterwegs. Vor

allem mit einem Mädel habe ich mich sehr gut verstanden und habe viel mit ihr unternommen: Yvonne. Und so kam es, dass wir nun zusammen sind und seitdem eine glückliche Beziehung führen.
Das bestätigt die These von einem Freund, dass die Physiker in den Süden gehen müssen, um eine Frau kennen lernen zu können (nicht ernst gemeint!).
Gestern, am 06.01 (Heilige 3 Könige), ging in Spanien Weihnachten zu Ende. Leider konnte ich nicht miterleben, wie Weihnachten in einer spanischen Familie ist. Aber ich schreibe diesmal etwas über die spansichen Bräuche an Weihnachten und Silvester, von denen ich erfahren habe (in Granada):
Vom 24.12 bis 26.12 feiert man Weihnachten mit der Familie. Es wird viel gegesen, die Spanier geben Unsummen für das Weihnachtsessen aus. Der durchschnittliche Spanier nimmt anscheinend über Weihnachten 3 Kilo zu. Gekauft wird teurer Fisch, Schinken und anderes Fleisch. Das typische spanische Weihnachtsgebäck ist "Turrón", ein Gebäck mit verschiedenen Nüssen und sehr lecker. Geschenke gibt es noch nicht, die gibt es erst am 06.01. Dazu wird nach dem Festmahl eine große Vase

aufgestellt, in dem die Geschenke sind, aber auch Nieten. Die Kinder müssen dann daraus so lange ziehen, bis jeder seine Geschenke hat. Als Nachtisch gibt es "Roscón", ein nach Hefezopf schmeckender Kranzkuchen mit Sahnefüllung und Früchten. Am 05.01 ist der 3-Königs-Umzug mit bunten Wägen und es werden Süßigkeiten an die Kinder verteilt. In der Vorweihnachtszeit gibt es die obligatorische Weihnachtslotterie, in der es Millionengewinne gibt. Da ein Los aber mehr als 100 Euro kostet, gehen die meisten Leute eine Lotteriegemeinschaft ein. Ein Weihnachtsbaum ist nicht üblich, dafür aber wird eine sehr große Weihnachtskrippe im Haus aufgestellt. Auch der Weihnachtsmann ist nicht sehr bekannt/verbreitet. In einigen Regionen Spaniens ist es der Köhler, der vom Berg kommt und Geschenke in die Städte und Dörfer bringt... Alle diese Angaben über Weihnachten sind ohne Gewähr, habe nur davon gehört oder gelesen...
Über Silvester habe ich mehr erfahren, da ich Silvester in Granada verbracht habe. Zuerst gibt es (mal wieder) ein großes Dinner mit der Familie. Unter Freunden/Geschwistern schenkt man sich rote Unterwäsche. Ob man die dann den Abend über anziehen muss weiß ich

nicht. Um Mitternacht muss man zu jedem der 12 Glockenschläge eine Weintraube (symbolisiert einen Monat) essen und sich dazu was wünschen. Das bringt Glück fürs neue Jahr. In das Glas,
mit dem man zum neuen Jahr anstößt, schmeißt man seinen ganzen Schmuck (nur nicht verschlucken), also Ringe, Ohrringe, Ketten... Raketen und Böller werden auch abgeschossen, aber nicht in dem Maße wie in Deutschland. In Granada waren viele Leute um 24 Uhr auf dem Rathausplatz und auf den Straßen drumherum. Dort war auch eine Bühne mit Livemusik. Danach wird auf der Straße und in Bars weitergefeiert. Die jungen Leute gehen dann ab 3 Uhr in die Diskos. Man zahlt dann um die 50 Euro Eintritt (weniger Eintritt gibts kaum) für ein kleines Buffet und einige Getränke. Zum Abschluss der Neujahrsfeier geht man morgens so um 7 oder 8 Uhr in eine Cafeteria und trinkt heiße Schokolade mit "Churros". "Churros" ist ein sehr fettiges und süßes Gebäck und sehr beliebt bei den Spaniern.
So, und nun zu meiner Advents- und Weihnachtszeit:
Advent selber gibt es so in Spanien nicht. Um doch Weihnachtsstimmung zu bekommen, haben wir 2 Mal eine Backsession bei mir eingelegt und

Vanillekipferl, Ausstecherle und Bethmännchen gebacken. Meine südländischen Mitbewohner waren total begeistert davon und haben sich wie kleine Kinder gefreut, wenn sie die Plätzchen naschen konnten. Da es nachts sogar kalt war in Granada (bis zu 0 Grad), durften die Glühweinabende nicht fehlen. Fazit: Die Vorweihnachtszeit ist in Deutschland viel schöner und gemütlicher, aber wir Deutschen haben das Beste draus gemacht. Ein schöner Weihnachtsmarkt und schönerer Weihnachtsschmuck hat mir trotzdem gefehlt.
Silvester haben Yvonne und ich versucht, deutsche und spanische Bräuche zu mischen: Bis Mitternacht haben wir zu zweit daheim gefeiert, bevor es auf die Straße unter die Leute ging. Als Essen habe ich Lasagne gekocht mit "Turrón" als Nachtisch und gutem Rotwein. "Dinner For One" hatten wir zum Glück auf dem Laptop dabei (kennen die Spanier nicht) und haben das nach dem Essen angeschaut, bloß Bleigießen hatten wir nicht dabei. Als Unterwäsche habe ich eine knallrote Boxershorts von Yvonne gekommen. Um Mitternacht waren wir auf der Straße, haben

aber leider nicht die Glockschläge gehört, so dass wir unsere eigenen Glockschläge machen mussten, damit wir die Trauben essen können. Angestoßen haben wir mit Sekt, da ich aber keinen Schmuck habe, musste ich auch nichts in meinen Becker schmeißen. Auf der Straße waren nicht so viele Leute wie erwartet. Das liegt daran, dass fast alle spanischen Studenten daheim in ihren Städten waren und kaum jemand in Granada blieb. Insgesamt war die Stimmung gut, aber in Deutschland feiern die Leute Silvester ausgelassener als die Spanier. Anschließend sind wir durch die Straßen und Bars gezogen, aber die Diskos waren uns zu teuer. Die ganze Nacht durchzumachen um "Churros" zu essen haben wir nicht mehr geschafft. Dafür waren wir von unseren Flügen, die uns zum Durchmachen gezwungen haben, zu arg geschlaucht.
Sodele, das reicht für heute. Die nächste Mail kommt aber bestimmt...
Hasta luego
Jens