25 März 2007

Es gibt so viele Sachen zu erleben in Spanien

Servus,


wahrscheinlich denkt ihr "schon wieder der". Bei mir ist nun ziemlich viel los und wahrscheinlich wird das so bis Ende Juli gehen. Ich habe schon meinen Rückflug gebucht: Ich fliege am 25.07 mit TUIfly und komme um 15.25 Uhr in Stuttgart an.

Das erste Semester in Spanien ist vorbei und einige Erasmus-Studenten haben schon ihren Heimweg angetreten. Leider ist eine Person davon meine Freundin Yvonne, die in Deutschland schon wieder hart am Arbeiten ist. Der Abschied war sehr traurig und nun bleibt mir nichts anderes übrig als jeden Tag an sie zu denken und ganz arg zu vermissen. Dank dem Internet haben wir die Möglichkeit umsonst zu telefonieren und uns im PC zu sehen, aber das ist nun mal nicht das gleiche.
Schade ist auch, dass meine 2 portugiesischen Mitbewohner gehen mussten und so tolle Mitbewohner sind schwer zu finden. Dafür sind jetzt 2 ältere Personen, beide so um die Mitte 40, eingezogen mit denen man nicht unbedingt Spaß haben kann. Wilfredo ist Kubaner und Physikprofessor, Vater von 2 Kindern und wegen einem Projekt für 2 Jahre in Spanien. Jesús studiert Kunst und es scheint, dass er Menschen meidet, weil er jeden Abend daheim ist, nie ausgeht und auch nicht will, dass mehrere Leute zu Besuch habe. Mit der neuen Wohnsituation bin ich nicht so zufrieden, weil es sehr langweilig daheim ist. Bloß umziehen lohnt sich auch nicht groß, weil ich im Sommersemester kaum daheim sein werde und das Haus optimal für den Sommer ist.

Die letzten Tage zusammen mit Yvonne haben wir genutzt um etwas mehr von Spanien zu sehen. An einem Tag haben wir die Strandsaison eröffnet und sind bei entsprechenden Temperaturen ans Meer gefahren. Leider war der Wind noch frisch und das Meer war zu kalt zum Hineingehen. Es hat trotzdem Spaß gemacht in der prallen Sonne zu liegen mit Blick auf Meer und schneebedeckten Bergen im Hintergrund.

Einige Tage Zeit haben wir uns für die spanische Hauptstadt Madrid genommen. Quartier bezogen haben wir bei Hannes, der mich schon in Granada besucht hatte, und die Nächte haben wir auf seiner Couch verbracht. Er wohnt recht zentral und mit witzigen, lockeren Leuten zusammen, die recht spontan mehr Leute in der WG aufnehmen (es ist eine 4-Zimmer WG, es wohnen aber im Durchschnitt 6 oder 7 Leute dort).
Wie es sich für eine so große Stadt gehört, gibt es hier viele schöne Plätze, Kultur, Nachtleben, tolle Einkaufsmöglichkeiten, große Parks,... Den ersten Tag, nach einem schönen Frühstück im Café, haben wir ohne zu hetzen die Innenstadt zu Fuß erkundet und uns einen ersten Eindruck von der Stadt gemacht. Die Königsfamilie wollten wir in ihrem Palast besuchen, doch es hat uns keiner reingelassen. In der Innenstadt haben wir weitere Sehenswürdigkeiten bewundert und etwas Zeit zum Shoppen gefunden. Das Zentrum und Herz der Stadt ist "Plaza de Sol", das auch der geographische Mittelpunkt Iberiens ist. Deshalb wurde auch damals Madrid erbaut, weil der König seine Hauptstadt genau in der Mitte vom Land haben wollte.
Tag Nummer 2 hat uns Hannes zum großen Park, dem Retiro, geführt und uns so die ruhige Seite Madrids gezeigt. Es ist schade, dass es in Granada keinen solchen Park gibt, in den man sich zum Entspannen hinlegen kann. In der Nähe ist ein Bahnhof, dessen Wartehalle zu einen tropischen Garten umfunktioniert wurde. So ist das Warten nur halb so schlimm und wir haben uns gerne den Schildkröten zugeschaut.
Kulturell haben wir in Madrid zugeschlagen. Wir haben die beiden großen Museen Madrids besucht und eine Ausstellung von Escher gesehen. Das Museum "Reina Sofía" stellt moderne Kunst aus und man kann Picassos, Mirós, Dalís, ... bestaunen. Dort haben mir die Bilder sehr gut gefallen. Das andere Museum ist das "Prado", welches sich der mittelalterlichen Kunst widmet wie Velázquez, Goya, Rembrandt,... Naja, mit den ganzen Kirchenbildern und Portraits konnte ich nicht ganz so viel anfangen. Escher hat viele surreale Bilder gemalt und die Ausstellung hat mich sehr beeindruckt.
In einer Nacht sind wir in der Disko "Palacio Gaviria" abgegangen. Diese Disko gibt es schon seit mehr als 100 Jahre, damals gingen die reichen Bürger zum Tanzen dorthin. Drinnen ist es auch antik eingerichtet und sorgt für eine schöne Atmosphäre. In einer anderen Nacht konnten wir die Mondfinsternis gemeinsam bewundern.
Vielen Dank nochmal an Hannes, dass wir bei ihm übernachten konnten. Madrid hat mir gut gefallen, bloß zum Leben wäre es mir dort zu teuer. Da wir nicht so viele Tage in Madrid waren, konnten wir uns nicht alles anschauen. Aber als Stadt gefällt mir Barcelona besser, auch wenn es in Barcelona keinen Strand gäbe.

Chao
Jens

17 März 2007

Snowboarden in der Sierra Nevada

Buenos días,

es wieder viel passiert in den letzten Wochen, deswegen gibts das nächste Resümee:

Wenn man schon einen Berg mit Skipisten in der Nähe hat, dann wird das von mir natürlich ausgenutzt. Mein Snowboard habe ich nach Weihnachten mitgenommen und gleich das erste mal am 02. Januar genutzt. Seitdem bin ich ca. 7 Mal zum Snowboarden in der Sierra Nevada gewesen. Das Skigebiet ist nicht riesig und hat ca. 80 km Piste. Die Preise sind aber nicht unbedingt billig mit 38 Euro für einen Tag. Dann war wegen diesen warmen Winter nicht sehr viel Schnee oben, sodass nicht alle Pisten offen waren. Trotzdem hat es sich gelohnt, auch weil man vom höchsten Punkt aus das Meer sehen kann! Braun wird man auch, weil fast immer die Sonne tagsüber scheint. Das Skigebiet ist klein aber fein, hat alles was man braucht und der Schnee war auch in Ordnung. Zudem ist hier meistens nicht viel los und die Spaniern sind keine Frühaufsteher, sodass man morgens die ganze Piste für sich hat und den ganzen Tag nicht viel anstehen muss. Das einzige was ich vermisst habe war eine schöne urige Skihütte mit Germknödeln und Apfelstrudel. Stattdessen gab es das Essen nur in Form von Burgern in einer McDonalds-Atmosfäre.

Geschafft, das erste Semester ist vorbei und ich habe wirklich auch alle Fächer bestanden. Man muss dazu sagen, dass nun mal das Niveau einiges niedriger ist als in Deutschland (von wegen Pisa oder so). Die besten Noten hatten eigentlich immer die Deutschen! Mit 2/3 Tage lernen konnte ich hier jede Klausur schaffen! Die Noten sind bei 2 Fächern, für die ich viel gemacht habe, sehr gut gewesen; bei den Fächern, wo ich nur 3 Tage gelernt habe, waren die Noten nicht gut, aber ich habe bestanden. Das ist was für mich hier zählt.

Ich habe es nicht für wahr gehalten, aber hier kann man auch Schlittschuh Fahren. Bei einem Einkaufszentrum hat die Stadt ein großes Zelt aufgebaut mit einer Eislaufbahn. Die ist etwa nur halb so groß wie eine Eislaufbahn in Deutschland, aber den Spaß wollten sich Yvonne und ich mal gönnen. Es macht vor allem Spaß den unbeholfenen Spaniern beim Schlittschuhlaufen zuzuschauen. Ein Riesenspaß ihnen beim am Rand Festklammern und auf den Hintern Fallen zuzuschauen. Mir hat es auch gefallen, weil ich seit Jahren nicht mehr Schlittschuh gelaufen bin.

Schon eine Weile her, aber auch hier wurde Fasching (hier heißt das Carnaval) gefeiert. Da das in Cádiz groß gefeiert wurde und halb Spanien dorthin ging, sind auch von Granada Busse nach Cádiz gefahren. Wir sind mit einer Studentenorganisation hingefahren und haben uns morgens auf die 350 km Fahrt gemacht. Mittags angekommen hatten wir den restlichen Tag Zeit die Stadt anzuschauen, um abends Carnaval zu feiern und am nächsten Tag morgens um 4 Uhr wieder in Richtung Granada zu fahren. So musste man keine Übernachtung zahlen, dafür war der ganze Sonntag mit Ausschlafen ausgebucht. Die Stadt selber haben wir nicht groß erkundet, da es fast jeden zum Strand gezogen hat. Den gibt es leider nicht in Granada und jeder liegt doch gerne einfach so in der Sonne mit Meeresrauschen im Hintergrund.
So um 20 Uhr fing dann die Feier in der Stadt an, die sich durch die ganze Innenstadt zog. Die Verkleidung durfte natürlich auch nicht fehlen. Yvonne hat sich als Käfer verkleidet, wobei sie ihr Kostüm selbst gefertigt hatte. So kreativ bin ich längst nicht und bin als Garfield (dicke Katze) gegangen. Dazu habe ich mir einen Garfield Schlafanzug angezogen, ein paar Schnurrhaare ins Gesicht gemalt bekommen und Katzenohren aus Pappe (die habe ich selbergemacht!) aufgezogen. Da ich einen Rucksack dabei hatte, habe ich ihn am Bauch getragen und meine Verkleidung drüber angezogen. Nun sah ich meiner Meinung nach wirklich wie eine dicke Katze aus, nur die Spanier haben das nicht ganz kapiert und mich für als Schwangere verkleidet gehalten. Die Spanier sind auch sehr kreativ und haben viele selbergemachte Kostüme und einige gute Ideen. Ich habe dort zB als Verkleidung gesehen: Taxis, Babys in dicken Windeln, Schäfer mit seinen Schafen, Kühe mit Röcke, eine Matratze uvm. Was einem hier vor allem auffällt ist, dass die Spanier in Gruppen losziehen und alle das gleiche Kostüm anhaben. Macht so einiges her.
An Programm in Cádiz gab es hauptsächlich Gesangsgruppen mit ca 10 Leuten, die witzig verkleidet waren und entweder lustige oder nachdenkliche Lieder gesungen haben. Alle selbstgeschrieben und werden nur am Carnaval gesungen. Ansonsten waren auf den Straßen tausende von jungen, verkleideten Leuten und je später die Nacht wurde, um so voller wurde es. Anfangs hat es noch Spaß gemacht rumzulaufen, die Kostüme zu bewundern und fröhlich mit den Leuten zusammen zu trinken. Gegen später wurde es aber viel zu eng, die Stimmung durch den Alkohol angespannter und auch langweiliger, weil die Leute nur dastanden und getrunken haben. Musik gab es auch keine, so dass ich sagen muss, dass mir Karneval in Köln um einiges besser gefallen hat. Ich bin der Meinung, dass so große Feste in Deutschland schöner sind, weil die in Spanien dann eher nur große Straßenbesäufnisse sind.
Am meisten Spaß hatte ich, als auf einem Parkplatz einige Leute laute Musik aus den Autoboxen gespielt haben und die ganzen Leute wie wild dazu auf der Straße getanzt haben, gesungen haben und auf Autos rumgehüpft sind (wenn ein Auto in Spanien Dellen hat stört das niemanden, also ich würde nie freiwillig mein Auto in Spanien stehen lassen). Als um 4 Uhr morgens der Bus zurückfuhr war ich froh drum, weil ich ziemlich erschöpft und müde war. Am Carnaval hatte ich zu dieser Zeit auch nicht mehr viel Spaß wegen dem ganzen Gedränge und bin dann im Bus zur Ruhe gekommen.

Nos vemos
Jens

07 März 2007

Ein Heinz in Granada

Holá,

ich finde es schön zu hören, dass diese Berichte von vielen gerne gelesen werden. Da macht es mir viel Spaß mich vor das Notebook zu setzen und drauf loszuschreiben. Nur die Zeit habe ich nicht immer. Zusätzlich führe ich ein persönliches Reisetagebuch und zurück in Deutschland werde ich mir große Fotoalben kaufen und die Bilder mit Kommentaren einkleben. Dann habe ich für mich eine tolle Erinnerung und ich kann euch jederzeit mehr über meine Reise hier erzählen.

Eines Tages dachte ich mir, dass wenn ich in Granada wohne, sollte ich doch eigentlich auch die Stadt kennen. So beschloss ich, statt andere Städte mal Granada zu "besuchen". Hier gibt es auch Sehenswürdigkeiten (neben der Alhambra).
Eines davon ist der "Parque de Ciencias" (Wissenschaftspark). Hier werden einem die Naturwissenschaften mit vielen Versuchen, Bildern und Sonstigem spielend näher gebracht. Genau das Richtige für den kleinen Physiker-Jens. Das Planetarium hatte leider nicht offen, dafür habe ich eine Vogelflugshow gesehen. Das war ein sehr netter Nachmittag, aber in Deutschland habe ich schon bessere Parks dieser Art gesehen und für eine tolle Vogelflugshow muss man natürlich ins schöne Beilstein.

Von Yvonne habe ich ein sehr schönes Weihnachtsgeschenk bekommen: Einlandung in die "Baños Arabes" (arabischen Bäder). Das sind Entspannungsbäder wie aus 1001 Nacht. Es gibt ein "Sala Caliente" (warmer Raum), das ein großes, flaches Becken mit warmen Wasser hat, sowie ein "Sala fría" (kalter Raum) mit einem kleines Becken kalten Wassers. Außerdem bekommt man eine Entspannungsmassage und im Entspannungsbereich steht leckerer Tee zur Verfügung. Man geht abwechselnd erst ins warme Becken, in dem man es aber nicht länger als 15 Minuten aushält, und dann ins kalte Becken. Das hat mir sehr gut gefallen und war eine Abwechslung zum ach so stressigen Unialltag.

Was darf nicht fehlen, wenn ich mal Granada kennen lernen will? Genau, die Alhambra. Ich habe Besuch von Simon, einem Studienkollegen aus Freiburg, bekommen und somit haben wir gemeinsam die Alhambra unsicher gemacht. Die Alhambra ist eine riesen Befestigungsanlage von den Mauren erbaut mit Gärten, Wehranlagen, Palästen, Kirche, Türmen, ... Sie ist nach dem Vatikan das zweitmeist besuchteste Monument Europas und erstrahlt über ganz Granada auf einem Hügel. Da wir sie im tiefsten Winter angeschaut haben, hatten wir Glück und es war nicht viel los. Dafür konnten wir nicht die ganze Blumenpracht genießen, die erst ab März blühen wird. Blöderweise hatte ich nicht meinen Reiseführer dabei und den Audioguide wollten wir nicht kaufen, sodass wir meist gar nicht gewusst haben, was wir uns so alles angeschaut haben. Denn innerhalb der Alhambra gab es keine Infotafeln oder ähnliches. Also entweder eigenen Reiseführer mitbringen oder den Audioguide für 3 Euro kaufen wenn man nicht ziellos wie wir beide rumlaufen will. Neben der tollen Sicht auf die umliegende Sierra Nevada und Granada ist der Araberpalast der Höhepunkt. Die für uns fremde Architektur der Araber find ich sehr faszinierend und erinnert einen an 1001 Nacht. Ich hatte Glück, denn als ich oben war konnte man das letzte Mal den bekannten Löwenbrunnen betrachten, weil jetzt die Löwen für längere Zeit restauriert werden. Also, es lohnt sich auf jeden Fall die Alhambra anzuschauen, man sollte einen halben Tag dafür in Anspruch nehmen und der Eintritt für 10 Euro ist in Ordnung (ohne blöden Audioguide). Dass ich aber nicht total ins Schwärmen verfalle liegt wohl daran, dass es ohne Blumen schon manchmal etwas kahl aussah. Das werde ich aber bestimmt im Sommer nochmal wiederholen.

Mit Simon bin ich an einem anderen Tag mal in die Sierra Nevada zum Wandern gefahren. Dort haben wir viel Glück gehabt, dass es in der Nacht vorher geschneit hat (es gibt wirklich Schnee hier, jetzt kommen die Beweisbilder), uns oben jedoch nur Sonne erwartet hat. Durch den knirschenden Schnee wandern mit schönen Ausblick haben wir einen tollen Tag verbracht und uns zum Abschluss in eine typische spanische Bar gesetzt und dem Treiben in der vollen Bar zugeschaut. Desweiteren wurden von uns noch Tapas-Bars unsicher gemacht und große Schach-Schlachten geführt.

Kaum war der eine weg, kam der andere: Einen Tag nach Simons Abreise standen schon Anna & Kai vor meiner Tür. Auch mit Kai studiere ich Physik in Freiburg. Dadurch kam ich zum ersten Mal zum "Churros" Essen (was man ja auch an der Silvesternacht vor dem Schlafen gehen isst), was hier eine Spezialität ist. Mmmhhh, richtig lecker. Die beiden haben sich natürlich die Alhambra angeschaut, aber ich wollte nicht nochmal innerhalb von 4 Tagen reingehen. Da man fast alles zu Fuß erreichen kann in Granada, habe ich beiden die Stadt zu Fuß gezeigt. Wir sind durch den Albayzín, das Araberviertel, gelaufen und an einem schönen Aussichtspunkt gelandet. Um uns dem arabischen Leben anzupassen, hat sich Kai eine Wasserpfeife gekauft, an der wir genüßlich einige Züge auf einem Platz geraucht haben. An einem anderen Tag sind wir im Stadtteil Sacromonte gelandet. Zum einen sind dort viele tolle Flamenco-Bars und zum anderen sind weiter oben Höhlen im Felsen, in denen sogar Menschen wohnen, meist Zigeuner. Dem Nachtleben sind wir auch nicht fern geblieben und haben uns zB. mitten in der Stadt mit einem Sessel hingesetzt, Bierchen getrunken und den Leuten zugeschaut.

Es hat mich sehr gefreut, die 3 als Besucher dagehabt zu haben und wir hatten viel Spaß. Der nächste Besuch lässt aber nicht auf sich warten...

Hasta pronto
Jens