30 Mai 2007

Mit reisen ist immer noch nicht genug

Buenos días!

In Spanien gibt es keinen Tanz in den Mai, dafür gibt es in Granada am 03.Mai das Fest der Kreuze in Gedenken an der Auffindung des Jesuskreuzes. Zu diesem Anlass werden in der ganzen Stadt hübsch geschmückte Kreuze aufgestellt und prämiert. Zusätzlich machen die jüngeren Leute eine große "Botellón", das bedeutet man trifft sich mit ganz vielen Freunden auf der Straße um gemeinsam Alkohol zu trinken und sich für die Nacht vorzubereiten. Letztes Jahr waren auf dieser Botellón anscheinend 20000 Studenten in der ganzen Stadt verteilt. Gegen dieses Massenbesäufnis hat aber nun der Bürgermeister Einhalt gewährt und man darf nicht mehr in der Stadt auf der Straße Alkohol trinken, sondern es gibt nur noch einen bestimmten Platz, auf dem das möglich ist. Somit waren dieses Jahr "nur" ca. 3000 Studenten auf diesem einen Platz zum zusammen Trinken.

Einen Tag später hat Yvonne einen Kurzbesuch in ihrer alten Heimat Granada abgestattet und wir haben 3 schöne, aber zu kurze Tage zusammen verbracht. Eine Tapastour durfte da natürlich nicht fehlen und auch eine große WG-Party haben wir miterlebt. An einem Tag sind wir in eine sehr schöne Anlage direkt neben der Alhambra gegangen, die die meisten Leute gar nicht kennen. Neben einer großen Villa gibt es einen Park, in dem wir einen Pfau in seiner ganzen Federpracht erleben konnten (um seinen vielen Frauen zu imponieren), sowie die größten Enten, die ich jemals gesehen habe (größer als Katzen!). Die restliche Zeit haben wir ganz für uns genutzt und bald war schon wieder Abschied nehmen angesagt. Bis zum nächsten Wiedersehen dauert es jedoch nicht lange, Anfang Juni treffen wir uns schon wieder, und zwar in Valencia.

Kaum Yvonne ins Flugzeug einsteigen gesehen, hat mich Klemens mit einem Mietauto abgeholt und wir haben uns zu zweit auf die nächste Reise gemacht. Es ging für eine Woche nach Portugal, um meine Ex-Mitbewohner zu besuchen und Portugal kennen zu lernen. An diesem Montag gings erstmal 1000 km nach Porto. Am Abend angekommen, hat uns Henrique abgeholt und uns zu sich nach Hause gebracht. Dort haben wir die erste Nacht verbracht, die nächsten 2 Nächte durften wir in der Wohnung von Celios Vater schlafen. Diese Wohnung war der Hammer, im 13. Stock im Zentrum mit tollem Blick auf die halbe Stadt.
Der Hauptgrund für unser Kommen zu dieser Woche war, dass in dieser Woche eine Riesenstudentenfeier in Porto stattgefunden hat, die Queima! Dafür bekommt die ganze Uni eine Woche frei und alle Studenten sind auf der Straße am feiern. Auf dem Festgelände der Queima stehen ca. 100 Bars, von jeder Fakultät und Studentenorganisation eine. Auch gibt es Essenstände und eine Bühne mit Konzerten. Es kamen hauptsächlich nationale Stars, es hat aber auch zB Patrice gespielt. Celio und Henrique haben uns einige Freunde vorgestellt. Ein paar Leute kannte ich sogar schon aus Granada. Auf der Queima waren alle super drauf, haben fröhlich miteinander gefeiert und gesungen bis zum Morgengrauen. Die Queima geht 9 Tage am Stück, wir beide waren aber nur 2 Abende dort (meine "Party-Portugiesen" waren natürlich jeden Abend dort).
Die Portugiesen haben sehr witzige Bräuche während ihres Studiums: Die Erstsemester ("Novetas") müssen in der Woche der Queima Sachen machen, die ihnen die älteren Semester vorschreiben. Konkreter, die Novetas laufen in einer Gruppo von ca 30 Leuten verkleidet rum (als Hasen, Footballspieler, Cheerleader, ...) und müssen zB. die ganze Zeit im Kreis laufen, auf Knien über den Boden kriechen und andere witzige Sachen. Für die Novetas ist es sogar meist witziger als für die Leute, die sie rumkommandieren. Die Studenten im letzten Jahr laufen zur Zeit der Queima in bunten Hüten und Gehstock herum, in den Farben ihrer Fakultät. Wenn man ihnen mit dem Stock 3 Mal auf den Hut haut, soll das Glück bringen. Das wird in diesen Tag sehr oft gemacht und sieht klasse aus. Jeder Student hat so eine Art Schulterteppich, auf dem verschiedene gesammelte Sticker aufgenäht sind und zur Abschlussfeier getragen wird. Zusätzlich trägt jeder noch eine Ledermappe mit sich, in der jeder Kommilitone unterschreibt und aus der Stoffbänder in der Fakultätsfarbe raushängen. Bei der Abschlussfeier in einem großen Stadion hebt jeder diese Mappe hoch und schwenkt sie in der Luft, sodass das Stadion in einem Meer aus tausenden von bunten Bändern versinkt. Auch gibt es für die Studenten einen fakultätsinternen Abschlussball mit Musik in dem nur Studenten reinkommen und tanzen. Dieser Ball hat für Celio und Henrique am Mittwoch stattgefunden, wir waren nicht dabei. Da kommt einem das Studieren in Deutschland langweilig und spießig vor.
Der Höhepunkt der Studentenfeier ist der Dienstag. Dann gibt es einen großen Umzug durch die Stadt. An dem nehmen alle Studenten teil und jede Fakultät hat seinen eigenen Truck, welche dann in einer Reihe den ganzen Tag durch die komplette Innenstadt fahren. Die Trucks sind hübsch geschmückt, haben riesige Musikanlagen drauf und die Leute tanzen und feiern darauf. Ähnlich wie bei der Loveparade. Und mittendrin die Novetas, die witzige Sachen machen müssen, die Studenten mit ihren bunten Hüten und T-Shirts von ihrer Fakultät. Um Mitternacht geht der Umzug dadurch zu Ende, indem die Trucks und die Studenten auf der Straße an einer Tribüne vorbeikommen, auf der einige Offizielle der Uni sitzen und die Studenten verabschieden. Zum Abschluss wird wieder auf das Festgelände der Queima gegangen und bis 6 Uhr in der Früh weitergefeiert. Das war ein genialer Tag und das verrückteste Fest, das ich jemals gesehen habe.

Der kulturelle Teil mit Sightseeing und Strand kam die Tage drauf, aber dazu das nächste Mal mehr.
Hasta la próxima!
Jens

25 Mai 2007

Fortsetzung Marokko

Holá chicos y chicas,

im letzten Bericht habe ich mehr über das Land Marokko erzählt, dieses Mal schreibe ich mehr über die Leute in Marokko.

An unserem letzten Tag sind wir schon früh los, um uns auf unseren langen Heimweg zu machen. Am Hafen von Tanger angekommen haben wir unseren Ausreisestempel bekommen und uns auf die Fähre gemacht. Nur war leider an diesem Tag ein Sturm auf dem Meer, sodass unsere Fähre nicht fahren konnte, wir mussten bis zum nächsten Tag warten. Also haben wir uns in die Stadt begeben um Essen und Trinken für die Wartezeit zu besorgen. Die Zeit haben wir in der Stadt und am Strand verbracht und zum Schlafen haben wir uns ins Hafengebäude gelegt. Beim 2. Einchecken wurde uns gesagt, dass wir eigentlich illegal den Tag in Marokko verbracht haben (da wir ja schon "ausgereist" waren) und mussten deswegen zur Polizei. Diese hat nur unseren Stempel annuliert und so konnten wir uns normal einchecken und auf die Fähre gehen. Endlich auf europäischen Festland angekommen, sind sofort in den nächsten Zug nach Granada und dort gings erschöpft ins Bett.

Es gab auch negative Seiten von unserem Trip und das waren vor allem die Leute dort. Die Marokkaner sind schon zu einem nett, aber nur weil sie einen als laufendes Sparschwein ansehen, das geschlachtet werden muss. Hier sind viele Beispiele:
Taxifahrer (ohne Taxometer) haben immer einen teureren Preis verlangt, weswegen wir meist den Bus genommen haben. In Ruhe einkaufen in den Medinas und sich das Leben dort anschauen ging nicht, da die nervigen Verkäufer einem die ganze Zeit zuriefen und zupfiffen, man solle doch in ihren Laden kommen. Ein "nein" überhören sie immer und hätten einem am liebsten ganz in den Laden gezerrt. Kinder werden meist zum Betteln geschickt und diese weichen erst nach einem Kilometer von der Seite. Die Touristeninformationen bieten einem nur teure Touren an, geben aber keinen Rat über die Stadt. Es gibt viele Guides, die einem zu horrenden Preisen durch die Stadt und zu den Hotels führen, Dinge erzählen, die keinen interessieren und zu falschen Orten führen, an denen sie zusätzlich Provision abstreichen können (zB "ihre" Hotels oder "Paläste", die nur Teppichläden sind). Restaurantbesitzer halten einem die Speisekarten vors Gesicht und drehen einem automatisch das teurere Menü an.

All diese Leute waren nur auf unser Geld aus und man von denen keinen vertrauen. Das ist schade, weil Marokkaner ansonsten sehr sympatisch sind (zum Beispiel die Leute im Zug, die gerne mit einem reden). Man kann also nicht unterscheiden, ob sie einem wirklich helfen wollen oder doch nur Geld von einem haben wollen. Dies hat die Reise auch anstrengend gemacht, weil man nirgends seine Ruhe hat und kaum in einen schönen Laden gehen kann ohne dass man von allen Seiten zugetextet wird. Besonders schlimm war das in Fes. Deswegen haben mir Meknes und Chefchauen am besten gefallen, da dort kaum Touristen waren und wir in Ruhe gelassen wurden.

Wem wir immer vertrauen konnten waren Polizisten. Sie haben uns immer geholfen (wenn sie französisch konnten), natürlich ohne Geld zu verlangen und gute Tipps gegeben. Sie haben uns die teuren Taxifahrer vom Hals gehalten oder schon vorher von den Taxifahrern den richtigen Preis verlangt (auf einmal hat die Tour nicht 8 sondern 1 Euro gekostet). Das Beste war, nachdem uns ein Guide zum total falschen Ort geführt hat und wir nicht wussten wie wir zum Hotel kommen. Da hat uns die Polizei im Polizeiwagen (!!!) mitgenommen und uns bis vor die Hoteltür gefahren. So nette Polizisten sollte es auch mal in Deutschland geben.

Das Leben ist in den Medinas ist noch sehr altertümlich. Dafür sind die Neustadtbereicht schon sehr europäisch. Trotzdem leben die Marokkaner noch nach alten Bräuchen: Glaube, Frauen haben wenig Rechte, man darf keinen Alkohol trinken, ... Aus diesen Gründen gibt es kein Nachtleben (außer in den teuren Hotelbars) und um 24 Uhr ist tote Hose. Alkohol zu bekommen ist schwierig und nur in den Supermärkten im neuen Stadtteil zu bekommen. Auf unsere Flasche Wein beim Sonnenuntergang auf der Dachterasse (fast jedes Hotel hat eine super Dachterasse) wollten wir nicht verzichten!

Während dem Trip bin ich ein Fan von der marokk. Küche geworden. Überall, wo wir gegessen haben, waren die Gericht sehr gut. Es gab vor allem Couscous und Tagines (Tongefäß mit Deckel, in dem das Essen gegart wurde). Auch die Süßigkeiten sind sehr gut (zB. Krapfen in Zucker oder Pastilles: Hähnchenstücke mit Mandeln in Blätterteig mit Zimt und Puderzucker, genial).

Fazit: Marokko ist ein sehr schönes Land mit Städten wir aus 1001 Nacht (vor allem Marrakesch) und schöner Landschaft (im Norden sah es eher wie bei uns aus; im Süden ist die Sahara, die auch faszinierend ist, haben wir aber nicht geschafft). Marokko kam mir auf keinen Fall arm vor und ich denke es hat gute Voraussetzungen ein fortschrittliches Land zu werden. Da stehen eher die Menschen im Weg, die durch ihre Art Touristen eher fernhalten lässt und durch ihre traditionelle Lebensweise den Fortschritt nicht fördern (in der Landwirtschaft wird nur auf Selbstversorgung angebaut, aber nicht mehr, dh die Leute verdienen kaum Geld und das Land kann nicht exportieren). Zum Besuchen kann ich es schon empfehlen.

Viele Grüße
Jens

22 Mai 2007

Endlich Sonne

Holá,

jetzt hat uns endlich auch mal das gute Wetter erreicht. Seit 2 Wochen scheint die Sonne ununterbrochen und die Sonne in Spanien ist auf jeden Fall stärker als in Deutschland. Sobald man in der Sonne läuft fängt man auch gleich an zu schwitzen. Da merkt man sofort, warum die Spanier immer zwischen 14 und 17 Uhr Siesta machen.

Nun zu meinem Marokko-Aufenthalt:
Zu viert (Anne, Janine, Klemens und ich) haben wir uns eines morgens mit dem Zug in Richtung Marokko begeben. Da die Bahn keine Verbindung bis nach Marokko anbietet, sind wir in Tarifa in eine Fähre umgestiegen, welche uns schließlich nach Tanger auf das afrikanische Festland gebracht hat. Zum ersten Mal in meinem Leben ein Fuß auf Afrika gesetzt, war das erste was ich gesehen habe: deutsche Erasmusstudenten aus Granada, die gerade auf der Heimreise waren.
Mit dem umgetauschten Geld (die Währung ist Dirham mit dem Kurs 1:11) haben wir uns in die Innenstadt in ein Café gesetzt und das marokkanische Nationalgetränk Minztee bestellt, richtig lecker. Ungewohnt ist, dass marokk. Frauen nicht ins Café dürfen, dh. es sitzen nur Männer drinnen mit Blick Richtung Straße oder Fernseher. Auf der Straße laufen viele Frauen mit Kopftuch oder Burka, aber einige auch ohne Kopfbedeckung. Mit diesen ersten Eindrücken haben wir uns auf den Weg zum Bahnhof gemacht, um mit dem Nachtzug nach Marrakesch zu kommen. Die Züge in Marokko sind sogar bequem, mit Klimaanlage und in der Nacht konnten wir auch ein wenig schlafen.
Morgens in Marrakesch angekommen haben wir uns im Zentrum der Stadt ein Hotel gesucht. Unsere Hotels haben alle so um die 6 Euro die Nacht gekostet und waren in akzeptablem Zustand. Im Zentrum befindet sich eine große Moschee und der berühmteste Platz Marrokos, der Platz der Geköpften. Dort ist immer buntes Treiben mit Schlangenbeschwörern, Musikern, Tänzern, Markt, ... Sobald es dunkel wird tauchen unzählige Essensstände mit Sitzplätzen auf, sodass man von einem riesigen Freiluftrestaurant reden kann mit ganz vielen Spezialitäten malerisch auf einer großen Theke präsentiert. Das konnten wir uns nicht entgehen lassen und haben uns viele Kleinigkeiten bestellt.
Von diesem Platz aus geht es auch in die Medina. Die Medina ist in Marokko der Altstadtkern, in dem sich alle Händler aufhalten und man einen Eindruck davon bekommt, wie man früher in Marokko lebte und es zum Teil auch heute noch tut. Die Medina ist ein Gewirr aus ganz vielen engen Gassen, in denen man alles bedenklich kaufen kann, Handwerkern zuschauen kann, zu Essen und Trinken findet etc. Die Medinas waren deswegen für mich der interessanteste Teil der Reise, da man dort das tatsächliche Leben der Marokkaner sehen konnte und die Leute dort wirklich so wohnen und sich nicht nur wegen Touristen dort aufhalten und so verhalten. Es gab auch immer eine Neustadt in unseren besuchten Städten, die eher europäischen Großstädten gleichen und deswegen langweilig waren.
Tags drauf ging es nach Casablanca aus dem gleichnamigen Film, der größten Stadt Marokkos. Dort steht auch die größte Moschee Marokkos, die als eine der wenigen auch für Nicht-Muslime begehbar ist. Leider war sie gerade an diesem Tag zu und so konnten wir das imposante Gebäude nur von außen sehen. An Ricks Café (aus dem Film) sind wir auch vorbei gekommen, war aber zu teuer zum Einkehren. Ansonsten hatte diese Stadt nicht viel zu bieten und ist nicht besonders schön.
Am nächsten Morgen hat mir ein Marokkaner seine "Liebe" zu mir gestanden: Während wir in einem Café saßen, kam irgendein Marokkaner am Tisch vorbei und küsst mir auf die Schulter. Seine Liebe habe ich aber nicht erwidert und er verschwand auch wieder. Auf der Zugfahrt nach Meknes ist uns noch eine witzige Geschichte passiert. Kommt ein Marokkaner in unser Abteil und fragt uns auf französich (ist dort neben dem arabischen Amtssprache) woher wir kommen. Wir sagen aus Deutschland und er antwortet auf deutsch: "Alles klar! Sieben Kinder und kein Vater!", steht auf und geht weg. Meknes selber hat uns sehr gut gefallen, weil dort kaum Touristen waren und die Stadt ruhiger als die anderen ist. Außerdem gibt es dort die besten Süßigkeiten an jeder Ecke.
In dieser Nacht gab es um 5 Uhr einen Aufschrei von Klemens: Janine ist weg und kommt seit einer halben Stunde nicht mehr zurück. Wir haben zusammen das ganze Hotel durchsucht, aber keine Janine gefunden. Aus dem Hotel konnte sie auch nicht gegangen sein, da die Tür verschlossen war. Nach 3 Stunden Suche und Warten haben wir einen Polizisten mit Händen und Füßen unser Anliegen klargemacht (unser Französisch ist nicht das beste). Plötzlich stand Janine wieder vor uns. Sie muss wohl schlafgewandelt sein und hat sich in einem leeren Zimmer ins Bett gelegt und die Tür hinter sich zugemacht haben. Nach diesem Schock und hundemüde (außer Janine, die war jetzt fit) ging es mit dem Zug weiter nach Fes.
Fes ist die für Marokko typischste Stadt mit einer sehr großen Medina. Dort konnte man viel Handwerk sehen (zB eine Leder-Färberei), durch tausende, kleine Gasse gehen ohne zu wissen wo man ist, schöne Sachen einkaufen, gut Essen gehen usw. Wir hatten sogar das Glück etwas von einer Hochzeit zu sehen: Mit Getöse ist eine große Menge durch die Gassen gezogen. Der Bräutigam sitzt auf einem Pferd und die Braut sitzt auf einem Throm, der von einigen Leuten auf der Schulter getragen wird, und wird von allen Leuten zur Hochzeit gegrüßt.
Unsere eigentlich letzte Station war Chefchauen, ein sehr schönes Bergdorf im Atlasgebirge mit viel Grün außenrum. Das Besondere an dieser Stadt ist, dass fast alles himmelblau ist. Die ganzen Wände der Häuser sind blau, die Holztüren blau gestrichen, die Taxis blau lackiert, Restaurants blau dekoriert... Im Stadtzentrum steht eine tolle Riesentanne (wie auch oft in Deutschland als Wahrzeichen der Stadt), um die sich die ganzen Restaurants tümmeln.

Hasta luego
Euer Heinz

03 Mai 2007

Alles neu macht der Mai ...

Schönen, guten Tag,


Im letzten Monat war ich fast nur unterwegs, da ich zum einen viel Besuch hatte und zum anderen Reisen nach Marokko und Sevilla gemacht habe. Und zwischendurch wurde wirklich noch studiert. Ende März kam Rieke für 2 Wochen nach Granada, um einen Sprachkurs zu besuchen. Damit war sie gut beschäftigt, dennoch haben wir Zeit gefunden um die Umgebung zu bekunden. Zum Beispiel waren wir in den Alpujarren, einen Teil der Sierra Nevada in dem es weiße Dörfer gibt und von woher der berühmte Serrano Schinken kommt.

Für ein paar Tage haben sich Claudi, Maren und Kirsten bei mir einquartiert. Neben dem Standard-Programm Granada (Tapas, Churros, Albaicín, ...) haben wir einen Abend bei heißen Quellen verbracht und eine große WG-Party mit ca. 100 Leuten miterlebt. Diese Quellen sind außerhalb Granadas gelegen, nur auf abenteuerlichen Pfaden erreichbar und mit ca. 40 Grad sehr angenehm zum Reinlegen und Entspannen.

Über Ostern waren Helga und Ferdi in Granada. Mit Winterjacke im Gepäck erwartete die beiden eine 5-tägige Regenschlacht. Den einzigen schönen Tag haben wir die Alhambra besucht, doch das erwies sich anstrengender als gedacht. Wir haben uns um 8 Uhr morgens in eine riesige Menschenschlange angestellt, konnten jedoch erst um 11 Uhr die begehrten Karten ergattern (so soll es im Sommer jeden Tag ablaufen, also lieber vorher reservieren). Einen Tag sind wir nach Málaga geflüchtet und konnten bei Sonnenschein zufällig eine Militärparade besichtigen und Tapas in der schönen Innenstadt genießen. Ansonsten haben wir Granada zu Fuß und mit dem Bus erkundet und viel Zeit in Bars und Restaurants genossen. Tapas, Chocolate con Churros und sogar Eis durften dabei nicht fehlen.
Zeitgleich haben in Granada die Osterprozessionen statt gefunden und diese sind im Süden Spaniens sehr spektakulär. In jeder größeren Stadt in Andalusien sind eine Woche lang täglich Osterumzüge mit gigantischen Marien- und Jesusfiguren aus Holz, die reichlich mit Blumen geschmückt sind. Diese Figuren werden auf großen Podesten durch die Straßen auf den Schultern von etwa 30 Männern getragen und erreichen ein Gewicht von ca 600 kg. In einem großen Umzug werden diese Podeste viele Stunden durch die Stadt getragen und von Leuten mit langen spitzen Hüten begleitet, die dem Cu-Clux-Clan sehr ähnlich sind. Mit dabei beim Umzug sind auch Frauen in schwarzer Trauerkleidung, Kreuze und Kerzen tragende Menschen, weihrauchschwenkende Leute, Musiker und noch einiges mehr. Zum Abschluss des Zuges werden die Figuren in ihre Kirche getragen, zuvor jedoch mit beeindruckendem, flamencoähnlichem Gesang verabschiedet. Die verschiedenen Umzüge haben verschiedene Themen. Am interessantesten sind die stillen Umzüge, in denen alles ruhig ist und man nur die langsamen Schritte der Podestträger hört, sowie die Umzüge der "Gitanos", in denen eher Flamencogesang, Tanz und Spaß im Vordergrund stehen. Leider wurden diese 2 Umzüge in Granada abgesagt, da wegen dem Regen die Gefahr besteht, dass die zum Teil hunderte Jahre alten Figuren kaputt gehen könnten.

Für den Marokko-Bericht fehlt mir hier der Platz, deswegen erzähle ich von meinem Ausflug nach Sevilla und schreibe das nächste Mal über Marokko:
Jedes Jahr gibt es in Sevilla ein großes Frühlingsfest, die Fería, die ich mir nicht entgehen lassen konnte. Man kann es ein wenig mit dem Frühlingsfest in Stuttgart vergleichen. Ein Teil des Festes waren die Fahrtengeschäfte wie Riesenrad, Achterbahn, etc. Der andere Teil bestand aus kleinen Festzelten, den "Casetas", die im Gegensatz zu den Megafestzelten in Deutschland nur bis zu 50 Leute aufnehmen können. Die Casetas sind bewirtet, bieten einige Spezialitäten an Essen und Trinken an und man hat die Möglichkeit zu tanzen oder ein eventuelles Programm (zB Flamenco) zu erleben. Das Problem ist nur, dass die Casetas privat sind, angemietet werden müssen und für Außenstehende nicht zugänglich sind. Da wir aber bei einem Studenten aus Sevilla untergekommen sind, konnte dieser uns trotzdem in eine Caseta führen, in der wir den ganzen Abend verbracht haben. Sehr schön an der Fería ist, dass viele Sevillaner noch in ihren Trachten herumlaufen (wie halt die Lederhosen zum Oktoberfest gehören). Die Männer tragen Anzüge mit einem typischen Hut und die Frauen tragen sehr schöne Kleider in Flamenco-Art und haben meist Blumen im Haar. Auf dem ganzen Fest kann man viele Männer auf Pferden sehen und durch die Fería fahren viele Kutschen. Die Straßen sind in der Nacht voll Lichterketten und das Wahrzeichen ist der große Torbogen, welcher auch mit tausenden von Glühbirnen gespickt ist und jedes Jahr neu entworfen wird.

Hasta pronto
Jens