
Im letzten Monat war ich fast nur unterwegs, da ich zum einen viel Besuch hatte und zum anderen Reisen nach Marokko und Sevilla gemacht habe. Und zwischendurch wurde wirklich noch studiert. Ende März kam Rieke für 2 Wochen nach Granada, um einen Sprachkurs zu besuchen. Damit war sie gut beschäftigt, dennoch haben wir Zeit gefunden um die Umgebung zu bekunden. Zum Beispiel waren wir in den Alpujarren, einen Teil der Sierra Nevada in dem es weiße Dörfer gibt und von woher der berühmte Serrano Schinken kommt.
Für ein paar Tage haben sich Claudi, Maren und Kirsten bei mir einquartiert.

Neben dem Standard-Programm Granada (Tapas, Churros, Albaicín, ...) haben wir einen Abend bei heißen Quellen verbracht und eine große WG-Party mit ca. 100 Leuten miterlebt. Diese Quellen sind außerhalb Granadas gelegen, nur auf abenteuerlichen Pfaden erreichbar und mit ca. 40 Grad sehr angenehm zum Reinlegen und Entspannen.

Über Ostern waren Helga und Ferdi in Granada. Mit Winterjacke im Gepäck erwartete die beiden eine 5-tägige Regenschlacht. Den einzigen schönen Tag haben wir die Alhambra besucht, doch das erwies sich anstrengender als gedacht. Wir haben uns um 8 Uhr morgens in eine riesige Menschenschlange angestellt, konnten jedoch erst um 11 Uhr die begehrten Karten ergattern (so soll es im Sommer jeden Tag ablaufen, also lieber vorher reservieren). Einen Tag sind wir nach Málaga geflüchtet und konnten bei Sonnenschein zufällig eine Militärparade besichtigen und Tapas in der schönen Innenstadt genießen. Ansonsten haben wir Granada zu Fuß und mit dem Bus erkundet und viel Zeit in Bars und Restaurants genossen. Tapas, Chocolate con Churros und sogar Eis durften dabei nicht fehlen.
Zeitgleich haben in Granada die Osterprozessionen statt gefunden und diese sind im Süden Spaniens sehr spektakulär. In jeder

größeren Stadt in Andalusien sind eine Woche lang täglich Osterumzüge mit gigantischen Marien- und Jesusfiguren aus Holz, die reichlich mit Blumen geschmückt sind. Diese Figuren werden auf großen Podesten durch die Straßen auf den Schultern von etwa 30 Männern getragen und erreichen ein Gewicht von ca 600 kg. In einem großen Umzug werden diese Podeste viele Stunden durch die Stadt getragen und von Leuten mit langen spitzen Hüten begleitet, die dem Cu-Clux-Clan sehr ähnlich sind. Mit dabei beim Umzug sind auch Frauen in schwarzer Trauerkleidung, Kreuze und Kerzen tragende Menschen,

weihrauchschwenkende Leute, Musiker und noch einiges mehr. Zum Abschluss des Zuges werden die Figuren in ihre Kirche getragen, zuvor jedoch mit beeindruckendem, flamencoähnlichem Gesang verabschiedet. Die verschiedenen Umzüge haben verschiedene Themen. Am interessantesten sind die stillen Umzüge, in denen alles ruhig ist und man nur die langsamen Schritte der Podestträger hört, sowie die Umzüge der "Gitanos", in denen eher Flamencogesang, Tanz und Spaß im Vordergrund stehen. Leider wurden diese 2 Umzüge in Granada abgesagt, da wegen dem Regen die Gefahr besteht, dass die zum Teil hunderte Jahre alten Figuren kaputt gehen könnten.

Für den Marokko-Bericht fehlt mir hier der Platz, deswegen erzähle ich von meinem Ausflug nach Sevilla und schreibe das nächste Mal über Marokko:
Jedes Jahr gibt es in Sevilla ein großes Frühlingsfest, die Fería, die ich mir nicht entgehen lassen konnte. Man kann es ein wenig mit dem Frühlingsfest in Stuttgart vergleichen. Ein Teil des Festes waren die Fahrtengeschäfte wie Riesenrad, Achterbahn, etc. Der andere Teil bestand aus kleinen Festzelten, den "Casetas", die im Gegensatz zu den Megafestzelten in Deutschland nur bis zu 50 Leute aufnehmen können. Die Casetas sind bewirtet, bieten einige Spezialitäten an Essen und Trinken an und man hat die

Möglichkeit zu tanzen oder ein eventuelles Programm (zB Flamenco) zu erleben. Das Problem ist nur, dass die Casetas privat sind, angemietet werden müssen und für Außenstehende nicht zugänglich sind. Da wir aber bei einem Studenten aus Sevilla untergekommen sind, konnte dieser uns trotzdem in eine Caseta führen, in der wir den ganzen Abend verbracht haben. Sehr schön an der Fería ist, dass viele Sevillaner noch in ihren Trachten herumlaufen (wie halt die

Lederhosen zum Oktoberfest gehören). Die Männer tragen Anzüge mit einem typischen Hut und die Frauen tragen sehr schöne Kleider in Flamenco-Art und haben meist Blumen im Haar. Auf dem ganzen Fest kann man viele Männer auf Pferden sehen und durch die Fería fahren viele Kutschen. Die Straßen sind in der Nacht voll Lichterketten und das Wahrzeichen ist der große Torbogen, welcher auch mit tausenden von Glühbirnen gespickt ist und jedes Jahr neu entworfen wird.
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