14 August 2007

Reisebericht der letzte

Buenos días,

Bei meinem Trip durch Spanien kam ich auch in Ronda vorbei. Die Wiege des Stierkampfes und die älteste Stierkampfarena kommen aus Ronda. Weiteres Wahrzeichen ist die Brücke über eine sehr tiefe Schlucht, bei dem Blick runter kann einem richtig schlecht werden. Nach ein paar Stunden war die Stadt aber auch fertig besichtigt.
In einem Dorf im Gebirge direkt neben Granada, Monachil, kann man einen schönen Nachmittag verbringen und im Naturpark wandern gehen. Ich konnte sogar ganz nah an Rehe rankommen. Ganz besonders ist dabei eine alte Hängebrücke aus dem vorletzten Jahrhundert über 60 Meter bei einem Wasserfall.
Auch Granada habe ich mal einen Morgen angeschaut, in der Stadt, in der man lebt, macht man sowas zu selten. Ein paar Impressionen in Form von Bildern schicke ich euch mit.

Meinen letzten Besuch habe ich von meinem Bruder Sven bekommen. Letztes Jahr haben wir uns wegen einem Missverständnis leider verpasst. Zum Glück kennt er Granada schon und wir mussten nicht ein weiteres Mal auf die Alhambra, sondern konnten uns dem Strand hingeben. Meine letzten Tapastours habe ich mit meinem Bruder genossen und meine Lieblingsdisko durfte auch nicht fehlen. Die 4 Tage gingen wie immer viel zu schnell vorbei und wir hatten eine tolle Zeit.

Zu guter letzt mein Fazit von diesem Jahr in Spanien:
Ich bin sehr froh, dass ich die Erfahrung eines Auslandsjahres machen konnte. Ich habe viel fürs Leben gelernt und tolle neue Freunde kennengelernt und nun Kontakte auf der ganzen Welt.
Am Anfang war ich der Sprache kaum mächtig (Spanier können kaum Englisch) und habe niemanden in Granada gekannt. Trotzdem habe ich es hinbekommen mir eine Wohnung zu besorgen, die Unisachen zu klären und innerhalb kürzester Zeit sehr viele neue Leute kennengelernt. Dabei war mir wichtig viel von der spanischen Kultur mitzuerleben und die Sprache zu erlernen. Es gibt Erasmusleute, die nur mit Studenten aus dem eigenen Land unterwegs waren und am Ende immer noch kein Spanisch konnten. Jetzt kann ich fließend spanisch reden und mit Sprachkurs und Sprachpartner versuche ich mein Spanisch auf dem Niveau zu halten.
Da Andalusien das typische Spanien ist, habe ich gutes Bild vom Leben hier bekommen. Ich habe Flamenco und Stierkämpfe gesehen, traditionelle Feste miterlebt (wie Silvester) und mich von der Notwendigkeit einer Siesta von 14-17 Uhr überzeugt. Spanier lassen nie Stress aufkommen und sind sehr gelassene und friedfertige Menschen. Das kann angenehm sein, aber genauso nervig, wenn man sich auf niemanden verlassen kann und es einem vorkommt, dass man kostbare Zeit verliert. Ins Gespräch mit Spanier zu kommen ist nicht schwer, aber gute Freundschaften zu finden umso schwerer. Ich habe nur zu einer Spanierin guten Kontakt, ansonsten habe ich doch viel mehr Zeit mit Erasmusleuten verbracht, die hauptsächlich aus Italien, Frankreich, Portugal, Polen und Deutschland sind. Auch zu einigen Süd- und Mittelamerikanern haben ich tolle Freundschaften (Chile, Mexiko, Peru).
Durch das Kennenlernen einer anderen Kultur findet mehr über sich und sein Land raus. Dinge, die für einen normal sind, können in anderen Ländern unhöflich sein. zB: Ich verabrede mich in der Stadt mit einem Freund und auf dem Weg treffe ich einen anderen Kumpel. Ich habe gesagt, dass ich keine Zeit habe mit ihm zu reden, weil ich den anderen nicht warten lassen will. Ihn warten zu lassen wäre für uns unfreundlich und mein Kumpel würde das verstehen. In Spanien ist es aber unhöflich, den Kumpel abzuweisen, zu einem Gespräch nimmt man sich immer die Zeit. Da in Spanien eh niemand punktlich ist, kann man natürlich auch niemanden warten lassen. Ich denke, dass ich durch diese Lebensweise gelassener geworden bin, Pünktlichkeit und Ordnung haben für mich aber einen genauso großen Wert, da ich sie in Spanien ziemlich vermisst habe. Für uns ist es auf Dauer schwierig so zu leben wie in Spanien, da wir doch eine ganze andere Mentalität haben.
Durch meine Reisen konnte ich einen tollen Eindruck von der Kultur und dem Leben haben. Andalusien ist eine sehenswerte Region, auch Portugal, Valencia, Barcelona und Toledo haben mir sehr gut gefallen. Zu Spanien gehören genauso die Feste, von denen es viele gibt mit verrückten Ideen (zB Anzünden von Riesenfiguren mitten in der Innenstadt) und für Spanier ist es ein gutes Fest, wenn ganz viele Leute auf einem Fleck sind, auch wenn man sich nicht mehr bewegen kann und trotzdem keinen Kontakt zu den Menschen um einen herum hat.
Von der Uni habe ich nicht ganz so viel mitgenommen, da das Niveau doch niedriger ist als in Deutschland. Deswegen habe ich mehr Vorlesungen gehört, die mir helfen Physik schneller und besser zu verstehen (vor allem Mathe). Was wir in Deutschland in 3 Jahren Physikstudium machen, reicht in Spanien aus um das Diplom zu bekommen (macht man aber in 5 Jahren) ohne überhaupt eine Diplomprüfung oder eine Diplomarbeit zu machen. Da auch nicht so viel Geld in Forschung gesteckt wird, hat sich die Uni mehr auf die Theorie beschränkt.
Die Landschaft in Andalusien ist nicht ganz so schön. In Granada und Umgebung gibt es kaum Grün und würde ich eher als Wüste bezeichnen. Typisch sind die riesigen Olivenplantagen, das gebiergige Gelände und die Sandstrände. Dafür sind die wenigen Grünflächen um so schöner. In Granada kann es sehr kalt werden und ich habe noch nie in meinem Leben so gefrohren wie dieses Jahr, da die Häuser keine Isolierung und keine Heizung haben.
Abgesehen von ein paar negativen Punkten war das Jahr genial und ich bereue keine Sekunde, die ich dort gewesen war. Dass ich mit Yvonne zusammengekommen bin versüßt den Aufenthalt noch mehr. Einen Auslandsaufenthalt kann ich jedem empfehlen, der etwas abenteuerlust ist. Ob ich später in Spanien leben werde lasse ich offen, in Deutschland fühle ich mich sehr wohl und komme mit dem Leben besser zurecht als in Spanien. Für meine Sprachkenntnisse werde ich sicherlich öfters mal nach Spanien in Urlaub gehen.

Das Leben geht in Deutschland weiter. Die nächsten 2,5 - 3 Jahre werde ich in Freiburg verbringen, um mein Physik-Studium zu Ende zu bringen. Falls ich promoviere, sind es noch 3 Jahre mehr, die würde ich aber wohl woanders verbringen. Ende August gehts gleich mit Uni-Praktikum in Freiburg los. Da komme ich sofort auf den Boden der Tatsachen zurück und werde erstmal keine Zeit finden für Reisen und große Partys.

El fin!

07 August 2007

Gut in Deutschland angekommen

Hallo,

ich bin wieder zurück in Deutschland. Mit meinem Flug hat alles gut geklappt bis auf eine kleine Verspätung. Von meiner Mama wurde ich ganz herzlich und mit einer Rose empfangen. Nun beginnt wieder das normal Leben, es muss ja auch wieder vorangehen. Die letzten Erlebnisse will muss ich jedoch noch loswerden:

Als letzte große Stadt Andalusiens hat mir Córdoba gefehlt. So berühmt die Alhambra für Granada ist, so berühmt ist die Mezquita von Córdoba. Die Mezquita ist eine große Moschee mit einem Orangengarten und der Clou ist die in die Moschee gebaute Kathedrale. Man läuft durch einen großen Säulensaal mit vielen kleinen Torbögen und auf einmal ist man in der Kathedrale mit seinem Hochaltar, Jesusbildern etc. Sehr bekannt ist Córdoba durch seine schön eingerichteten Innenhöfe in normalen Wohnhäusern, oft mit Brunnen und die ganzen Wände und der ganze Boden ist voll mit Blumen. Ansonsten hat Córdoba noch einen schönen Königspalast, einige Parks und ist für 1- oder 2-Tagestrips geeignet.

Für eine Woche habe ich mir ein Auto gemietet und bin mit diesem durch Spanien gereist, um mir weitere schöne Städte anzuschauen:
Das erste Ziel war Toledo (wie Segovia in der Nähe von Madrid), ein Unesco Weltkulturerbe. Die Stadt liegt auf einem Hügel, umgeben von einem Fluss, der eine große Schleife außenrum macht. Durch ein schönes Tor kommt man in den Innenstadtbereich und man muss weiter hochlaufen, um zu den weiteren Sehenswürdigkeiten zu kommen. Beeindruckend ist die Kathedrale, das Königsschloss und wirklich die ganze Stadt an und für sich. In jeder Gasse entdeckt man neue schöne Sachen und es herrscht eine tolle Atmosphäre. Interessante Museen sind auch anzutreffen (zB El Greco) und auch die anderen Stadtteile bieten beeindruckende Gebäude. Von weiter außerhalb hatte man einen tollen Ausblick auf die ganze Stadt mit dem Fluss.

Danach fuhr ich nach Segovia, das schön in einem Mittelgebirge liegt, umringt von Bäumen und klaren Gebirgsbächen. Die Wahrzeichen sind das riesige Aquadukt, das sich durch die Innenstadt zieht und die Wehranlage, die etwas an das Schloss von Neuschwanstein erinnert. Als Studentenstadt bietet Segovia viele schöne Gassen mit guten Bars und wie in Granada Gratistappas. Im Gegensatz zu Toledo war auch abends viel los und so bin ich mit einem dort kennengelernten Spanier durch die Bars gezogen.

Schon in der Gegend Spaniens angekommen, durfte Salamanca nicht fehlen. In Salamanca steht die älteste Uni Spaniens und ist daher neben Granada die große Studentenstadt. Mitte Juli sind jedoch alle Studenten nach Hause gegangen und so habe ich auf der Straße nur englisch oder französisch gehört von den Touristen (komischerweise kaum deutsch, die Deutschen kommen lieber nach Andalusien oder Portugal). Tagsüber war ich von dem Flair nicht so begeistert, zu besichtigen gabs eigentlich nur Kathedralen und Kirchen, von denen ich im letzten Jahr schon zu viele gesehen habe. Am Abend bietet sich ein ganz anderes Bild: Die Straßen sind voll mit Menschen und die Gebäude erstrahlen im Glanze des Lichtes und die Stadt bietet eine tolle Atmosphäre.

Nach 3 Tagen Cityhopping habe ich mir 2 Tage Strand bei Cádiz gegönnt und mich mit anderen Austauschstudenten dort getroffen. Die Strände sind sehr schön und dort machen fast nur Spanier Urlaub, es gibt kaum Touristen. Auf den Zeltplätzen waren viele Spanier in unserem Alter, sogar zum Campen mit Kühlschrank und Fernseher ausgestattet! Ein ganz toller Strand war in Bolonia. Es gab eine große Sanddüne, die ins Landesinnere reicht und man braucht von unten nach oben ca. 10 Minuten. Direkt am Strand sind die Ruinen eines altes Römerdorfes zu sehen.

Am letzten Tag bin ich auf die Affeninsel zu den Inselaffen gefahren. Sprich ich war in Gibraltar im südlichen Zipfel Spaniens. Gibraltar gehört zu England, Spanien erhebt jedoch weiterhin den Anspruch darauf. Deswegen kann es bei der An- und Ausreise zu erheblichen Verzögerungen kommen, ich habe aber kaum warten müssen. Gibraltar hat den Charakter einer Kolonie, die Innenstadt ist nicht besonders schön mit eher zweckmäßigen Gebäuden. Die Attraktion ist der Naturpark auf einem riesigen Felsen. In diesem Park leben die einzigen wildlebenden Affen Europas und führen sich auf wie die Könige. Sie nutzen die fahrenden Autos als Taxis, indem sie aufs Dach springen und bei Bedarf wieder runterspringen. Außerdem gibt es eine schöne Tropfsteinhöhle zu sehen, in der sogar manchmal Konzerte stattfinden. Beeindruckend ist das ganze Höhlensystem und man kann eine große Höhle betreten, die als Bunker und Unterschlupf diente. Der teure Eintrittspreis (ca. 15 EUR) lohnt sich auf jeden Fall.

So, das war mein vorletzter Bericht, der letzte folgt bald.
Viele Grüße
Jens